Land Art & Keramik: Wenn die Landschaft selbst zum Werk wird
Es gibt eine Kunstrichtung, die nichts behalten will. Sie entsteht draußen, aus dem, was der Ort gerade hergibt – Blätter, Steine, Erde, Frost, Licht. Kein Atelier, keine Leinwand, keine Vitrine. Die Landschaft selbst ist Material und Bühne zugleich. Man nennt sie Land Art, manchmal auch Earth Art oder – so nennt sie einer ihrer bekanntesten Vertreter selbst lieber – schlicht: Natur.
Die Anfänge: Raus aus dem Museum
Land Art entstand Ende der Sechzigerjahre, vor allem in den USA und Großbritannien, als Teil der Konzeptkunst-Bewegung. Eine Reihe von Künstlern wollte sich vom Galerie- und Museumsbetrieb lösen und Kunst schaffen, die man nicht kauft, sondern erlebt.
Zur Ikone der Bewegung wurde Robert Smithsons „Spiral Jetty" (1970): eine gut 450 Meter lange, spiralförmige Mole aus rund 6.000 Tonnen Basaltgestein, aufgeschüttet im Großen Salzsee von Utah. Das Werk verändert sich bis heute mit dem Wasserstand des Sees – mal ist es zu sehen, mal wieder verschwunden. Genau das war Teil des Konzepts: Smithson interessierte sich für Zeit, Verfall und Wandel als künstlerisches Material, nicht nur für die feste Form (mehr dazu bei Tate).
Viel leiser, aber ebenso einflussreich: Richard Longs „A Line Made by Walking" (1967). Long, damals noch Student, stieg irgendwo in England aus dem Zug, fand ein unscheinbares Feld – und ging so lange dieselbe Strecke im Gras auf und ab, bis eine Linie sichtbar wurde. Fotografiert, fertig. Kein Material außer der eigenen Bewegung, keine Spur, die länger als ein paar Wochen hielt. Es gilt als eines der Gründungswerke der Land Art – und zugleich als eines der bescheidensten (Hintergrund bei der National Gallery of Scotland).
Der Wald als Werkstatt: Andy Goldsworthy und Nils-Udo
Zwei Namen prägen bis heute vor allem die Spielart der Land Art, die mit bloßen Händen und ohne Bagger auskommt.
Andy Goldsworthy, britischer Bildhauer, arbeitet seit den Siebzigerjahren draußen – mit Ästen, Eisplatten, Blättern, Steinen, oft nur mit den Händen und ein paar gefundenen Werkzeugen. Seine Werke halten selten lange: ein Eisbogen schmilzt, ein Blätterkreis treibt den Fluss hinunter. Für Goldsworthy ist genau das der Punkt – seine Arbeit versteht er als Zusammenarbeit mit der Natur, nicht als Herrschaft über sie. Auf seiner offiziellen Website veröffentlicht er bis heute laufend neue, im Freien entstandene Arbeiten; einen Überblick über sein Werk und käufliche Editionen gibt es auch bei Singulart.
Noch näher an der Region, in der „Spuren der Lichtung" entsteht, arbeitet Nils-Udo: Jahrgang 1937, seit den frühen Siebzigerjahren einer der europäischen Pioniere der sogenannten „Art in Nature".
Er lebt und arbeitet in Riedering im Chiemgau. Seine großformatigen Nester aus Ästen, seine Wasserhäuser und Pflanzungen mitten im Wald gehören zu den bekanntesten Werken deutscher Land Art.
Den Begriff Land Art lehnt NILS-UDO für sein Werk bewusst ab: „Mein Kunstwerk ist die Natur.“ (Kulturförderverein Prien am Chiemsee)
Aktuell, bis 4. Oktober 2026, zeigt die Galerie im Alten Rathaus in Prien am Chiemsee unter dem Titel „ART IN NATURE" einen Überblick über sein Werk – von fotografischen Dokumentationen bis zu Malerei. Eigens für die Ausstellung entsteht zudem die ortsspezifische Außenarbeit „Wassernest" am Fessler Weiher in Prien (Bericht bei Innpuls.me).
Was daraus für die eigene Praxis folgt
Land Art fragt nicht: Was baue ich, das für immer bleibt? Sondern: Was zeigt sich, wenn ich wirklich hinschaue? Diese Haltung – genaues Beobachten statt Beherrschen, Material aus der unmittelbaren Umgebung statt aus dem Baumarkt, Vergänglichkeit als Teil der Arbeit statt als Makel – lässt sich auf sehr unterschiedliche Weise weiterdenken. Sie muss nicht monumental sein wie Smithsons Spirale. Sie kann auch in einem einzelnen Blattabdruck stecken – zum Beispiel in Keramik.
Spuren der Lichtung: Land-Art-Keramik im Kerschlacher Forst zwischen Ammersee und Starnberger See.
Genau an diesem Gedanken setzt die Werkreihe „Spuren der Lichtung" an – vier Ateliertermine über ein Jahr, je eine Jahreszeit, mitten im Kerschlacher Forst am Aukio Studio zwischen Ammersee und Starnberger See, im Fünfseenland nahe München. Anders als bei den meisten der oben beschriebenen Werke bleibt am Ende aber etwas Bleibendes: ein frostsicherer Trittstein, gebrannt, mit nach Hause genommen.
Der Ablauf jedes Termins folgt einem festen Rhythmus:
Wald-Phase (ca. 60–90 Minuten) – sammeln, abformen, beobachten, zuhören, bei fast jeder Witterung.
Schwelle – Rückkehr ins Atelier, kurz ankommen bei Kaffee oder Tee.
Atelier-Phase – aus dem Gesammelten wird Form: ein Trittstein für den eigenen Garten.
Der Wald ist dabei nicht Kulisse. Er ist Mitautor.
Herbst-Termin – „Das Erdgedächtnis" 📍 Aukio Studio, Kerschlacher Forst, zwischen Ammersee und Starnberger See
🗓️ Samstag, 10.10.2026 · 12–15 Uhr Im Mittelpunkt steht die Frottage – der Naturabdruck. Rinde, Wurzelwerk, Falllaub: Strukturen, die der Wald über Jahre gebildet hat, wandern als Abdruck in den Ton. Was die Erde sich gemerkt hat, bekommt eine zweite Form.
Vorerfahrung braucht es keine. Nur die Lust, sich auf die Natur einzulassen.
59 € Einzeltermin · 199 € komplette Reihe (4 Termine, statt 236 € einzeln, inkl. Platzreservierung fürs ganze Jahr). Winter, Frühling und Sommer folgen mit eigenen Themen: Wetterzeichnung, Bodenprofil, Lichtung in voller Fülle. Am Ende der vier Termine steht ein kompletter Pfad aus vier Trittsteinen – aus jeder Jahreszeit einer.
Aus jeder Jahreszeit ein Trittstein, aus vier Jahreszeiten ein Pfad.
Häufige Fragen zu Land Art und zur Werkreihe
Was ist Land Art? Eine Kunstrichtung, die seit den späten 1960er-Jahren draußen entsteht, mit Materialien wie Blättern, Steinen, Ästen oder Eis, die direkt vor Ort gefunden werden. Bekannte Vertreter sind Robert Smithson, Richard Long, Andy Goldsworthy und Nils-Udo.
Was hat Keramik mit Land Art zu tun? Die Werkreihe „Spuren der Lichtung" überträgt den Grundgedanken der Land Art – draußen sammeln, mit dem arbeiten, was der Ort hergibt – auf Keramik: Naturabdrücke aus dem Wald werden zu bleibenden, gebrannten Trittsteinen.
Wo findet die Werkreihe „Spuren der Lichtung" statt? Im Aukio Studio im Kerschlacher Forst, zwischen Ammersee und Starnberger See, im Fünfseenland nahe München (82396 Pähl).
Wann ist der nächste Termin und was kostet er? Der Herbst-Termin „Das Erdgedächtnis" findet am Samstag, 10.10.2026, von 12–15 Uhr statt. Einzeltermin: 59 €. Komplette Reihe (4 Termine über ein Jahr): 199 €.
Brauche ich Vorerfahrung mit Ton? Nein. Es braucht keine Vorkenntnisse – nur die Lust, wirklich etwas zu erschaffen.
